Auf der Sängerwiese befand sich das erste Bauwerk des Seifersdorfer Tals – der Tempel, den ländlichen Freuden gewidmet. Dieser Tempel war ein Pavillon, der aus Säulen und einem Dach mit vier Dreiecksgiebeln bestand. Die Säulen waren rohe Baumstämme, die mit Tannenzapfen belegt waren. Zwischen den Säulen hingen Festons aus Stroh und Blättern aus grüner Wachsleinwand. Innerhalb des Tempels hing ein Kronleuchter aus Baumrinde und Tannenzapfen. Bekrönt war der Tempel mit einer Eule, dem Symboltier der altrömischen Göttin Minerva. Der Tempel diente zur Überdachung für Feste für Bauern und zur Speisung von Armen. In seiner Nähe standen Tische und Bänke sowie das Gastfreiheit genannte Gebäude, das als Küche diente.

Die Dreiecksgiebel des Tempels waren entsprechend der Nutzung des Tempels beschriftet:

Zeugt ihr friedlichen Gefilde

von den Thaten seiner Milde;

Zeugt ihr friedlichen Gefilde

von der Tugend Glück.

Selig, wer im Schoos der Freuden

Oft an den Verlaßnen denkt,

Wer auf heerdevollen Weiden

Einen Blick den Armen schenkt.

O seid der Freude werth, ihr Frohen!

Bedenkt, wenn ihr euch herzlich freut,

Daß die Freuden stets vor Laster flohen,

Und daß ihr schwach und sterblich seid.

Im Jahr 1824 setzten Graf Carl und Johanna von Brühl ihren Eltern ein Denkmal in Erinnerung an den zwischenzeitlich verfallenen Pavillon, unter dem die ländlichen Feste auf dieser Wiese stattfanden.

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