DAS SEIFERSDORFER TAL

Jean Paul fand es „himmlisch“, Wieland nannte es einen „Zaubergrund“ und Elisa von der Recke schrieb, dass es alle Gärten, die sie bisher gesehen habe, weit überträfe.

Die Reihe der berühmten Gäste in Seifersdorf ließe sich fortführen: Caspar David Friedrich, Christian Gottfried Körner, Theodor Körner, Gottfried Schadow … – Besucher aus nah und fern kamen, um einen der ersten und berühmtesten Landschaftsgärten in Deutschland zu erleben.

Zur Popularität der Anlage trugen auch deren Schöpfer bei – Hans Moritz Graf von Brühl (1746-1811), Sohn des einst in Sachsen allmächtigen Premierministers Heinrich von Brühl, und seine Gattin Johanna Christina Margarethe (Tina) (1756-1816).

Trotz der prekären finanziellen Situation der Familie nach dem Siebenjährigen Krieg widmeten sich die Brühls ab 1781 mit großem Engagement der Ausgestaltung des vom Dorf etwa eine Viertelstunde Fußmarsch entfernten Tales.

In der anmutigen, um malerische Felspartien bereicherten Landschaft schufen sie entlang des Flusslaufs der Großen Röder zahlreiche Gartenszenen im Sinne der Empfindsamkeit. Besonders die geistvolle Gräfin Tina widmete sich der Aufgabe, einen Garten zu schaffen, der „unterhalten, belehren und rühren soll“, der nicht „bloß Kunstwerk“ ist, sondern dem „Geist und dem Herzen Stoff zur Beschäftigung gibt“.

Im Bildprogramm dieses Landschaftsgartens verdeutlicht sich der aufklärerische Optimismus dieser Zeit, die Menschen durch gartenkünstlerische Inszenierung in einer ländlichen Natur, zum Humanismus führen zu können. Anregungen dafür fanden die Brühls besonders in der Theorie Johann Gottfried Herders (1744-1803), mit dem sie, wie mit vielen anderen Persönlichkeiten des Weimarer Kulturkreises, engen freundschaftlichen Verkehr pflegten.

Auch später, unter dem Sohn Karl von Brühl (1772-1837), der von 1815 bis 1828 Generalintendant der Berliner Schauspiele war, setzte sich diese Tradition fort, wenngleich nun private Themen im Vordergrund standen.

Ein anschauliches Bild, wie sich die Anlage gegen Ende des 18. Jahrhunderts präsentierte, vermittelt das 1792 von Wilhelm Gottlieb Becker verfasste Buch „Das Seifersdorfer Thal“, das auch vierzig Kupferstiche enthält.

Seit der Anlage des Landschaftsgartens ist das Seifersdorfer Tal ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher aus nah und fern. Trotzdem verfielen die Anlagen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr. Erst der Seifersdorfer Pfarrer und Schriftsteller Karl Josef Friedrich (1888-1965) bemühte sich wieder intensiv um die Rettung der Anlage.

Seit 1981 ist der Verein Seifersdorfer Thal e.V. tätig, der ehrenamtlich die Sanierung und Pflege des Landschaftsgartens übernommen hat. 1997 wurde die Anlage Eigentum des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. Seit 1999 konnten durch eine Förderung der Allianz Umweltstiftung sowie durch Fördermittel des Freistaates Sachsen zahlreiche Parkarchitekturen restauriert werden. Außerdem finden zahlreiche Aktivitäten zum Schutz und zur nachhaltigen Pflege des wertvollen Naturschutzgebietes statt.

Wenn Sie Interesse an der Arbeit der Vereine haben oder die Absicht, sie zu unterstützen, wenden Sie sich bitte an folgende Adresse:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V.

Wilsdruffer Straße 2a   01067 Dresden

www.saechsischer-heimatschutz.de